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Geht uns in Zukunft die Arbeit immer mehr aus?

Zentral im Leben wird immer die Arbeit bleiben, denn daran entscheidet sich jede persönliche und wirtschaftlich-gesellschaftliche Zukunft. Heute treiben neue Technologien mit Automatisierungen und künstlicher Intelligenz die Innovationen und Konkurrenzfähigkeit immer schneller voran. Diese Situation kann man mit den vorausgegangen Veränderungen in der Menschheitsgeschichte nicht vergleichen, denn die Digitalisierung unterstützt nicht nur, sondern „geht immer mehr in den Menschen hinein“ und kann irgendwann eine grosse Mehrheit der Arbeitsstellen übernehmen, sodass der Mensch nicht mehr arbeiten muss, sondern arbeiten darf! So wird diese digitale Transformation mit der Arbeit 4.0, die „Arbeitswelt im digitalen Zeitalter“ unvorstellbar verändern und massive Umwälzungen auslösen.

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Mit einer neuen „Wissensgesellschaft“ viele Arbeitsplätze entwickeln zu können hat klare Grenzen Mit einer neuen „Wissensgesellschaft“ viele Arbeitsplätze entwickeln zu können hat klare Grenzen Widersprüchliche Studien und Szenarien reden von bis gegen 50% Verlust an Jobs durch die Digitalisierung, v.a. bei Sekretariats-, Büro-, Telefon-, Drucker-, Schalter-, Buchhalter-, Finanz- und Steuerberufen mit den Routinearbeiten. Zudem wirken getaktete Maschinen mit künstlicher Intelligenz dem natürlichen Rhythmus im Menschen entgegen und bringen durch die Abhängigkeit des Menschen immer mehr Überforderungen und Stress und Burnouts. Das gewaltige Tempo der Veränderungen verunsichert die Mehrheit der Menschen welche mehrheitlich „Gewohnheitstiere“ sind, also Anhänger von Routine, festen Strukturen und Kontinuität mit geregelter Arbeit und Freizeit, was letztlich entscheidend für die persönliche Arbeitszufriedenheit ist. Vor lauter Umstrukturierungen, Weiterbildungen und Anpassungen weiss man bald nicht mehr wohin die Reise gehen soll. Immer besser qualifiziertes und ausgebildetes Personal ist gefragt. Zur Jobsicherheit wird zunehmend eine ausserordentliche Flexibilität bzw. Agilität bei Arbeitenden und Führungsgremien gefordert. Die Arbeit wird sicher effizienter, ressourcenschonender, leichter, weniger gefährlich und lukrativer. Jobs werden nicht nur überflüssig, sondern es werden auch viele neue geschaffen. Entscheidend ist aber in welchem Verhältnis zu den verlorenen (Massen)Stellen und für welche Ansprüche bzw. für welche Qualifikationen. Trotz Durchhalteparolen für einen Wandel gibt es Ängste auch beim Kader, welches die Transformation durchführen muss. Es wird auch eine neue Führungskultur weg von Hierarchien, Kontrollen und Risikoabwägungen hin zum Selbstmanagement von Teams mit freier Zeiteinteilung und Selbstcontrolling gefordert. Durch das dauernde Changemanagement mit den permanenten Reorganisationen wird aber die Motivation für das „new work“ geringer und damit schwinden Bindung und Identifikation zum Unternehmen, was der fortschreitenden Entwurzelung des Menschen noch mehr Vorschub leistet. Mit einer neuen „Wissensgesellschaft“ die Arbeitsplätze zu erhalten hat Grenzen, weil das „Abfüllen und Umsetzen von Bildung und Können“ mit Weiterbildungen infolge der menschlichen Natur limitiert ist. Die grosse Mehrheit der Menschen kann für immer höhere Anforderungen gar nicht soweit gebracht werden. Lebensqualität und Work-Lifetimebalance in Ehren, aber die Schere zwischen Verdienenden und Arbeitslosen mit Lohnbezug über irgendwelche Quellen wird sich weiter öffnen. Die sozialen Folgen sind unübersehbar und die Reaktionen für den Staat und die Gesellschaft sind schlecht abschätzbar.


Die ungeahnten Arbeitsmöglichkeiten durch die Automatisierung betreffen eine Minderheit von Menschen Die Mittel um den neuen Herausforderungen zu begegnen sind im Ansatz nachvollziehbar, aber für die grosse Masse der arbeitenden Menschen beschränkt einsetz- und umsetzbar.


a) Arbeitsreformen

- Sensibilisierung für eine positive Grundhaltung und die Bereitschaft zu möglichen Veränderungen als Chance
- Einsatz von flexiblen, projektbezogenen und interdisziplinären Arbeitsweisen mit 
• digitalen Plattformen
• flexiblen (gleitenden) Arbeitszeiten, wo nur nach Leistung bezahlt wird
• Home-Office
• Desk Sharing
• Coworking
• standortübergreifenden („virtuelle“) Teams

b) Weiterbildungen
Schulung der Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden mit
- agilen (veränderlichen) Arbeitsmethoden
- Selbstorganisationformen in Teams
- Trainings für:
• Changemanagement
• Agilität
• Hierarchiefreies Arbeiten
• Teambildung
• Teamkommunikation
• Experimentierräume

Die digitale Transformation wird das Arbeitsstellenangebot für die Menschen stark reduzierenSicher kann die Entwicklung nicht aufgehalten werden. Die Zukunft genau vorauszusagen ist auch zum Scheitern verurteilt.

Es wäre aber an der Zeit, dass die Wirtschaftsführer klar Stellung zu Unternehmensführungen im digitalen Zeitalter beziehen würden, statt das Feld zunehmend träumenden Beratern, Journalisten und selbsternannten Experten zu überlassen, bei welchen Arbeit, Kontinuität und Führung fast Schimpfwörter geworden sind!

Mit der Digitalisierung soll die Macht im Unternehmen vor allem von der zentralen Führung und Kontrolle zum netzwerkartigen Arbeiten im Team hin verschoben werden und damit u.a. Bindungen an Räume, fixe Zeiten und Stempeluhr auflösen. Gleichzeitig sollen Hierarchien aufgelöst, die Fehlertoleranz erhöht, Führungsleistungen von unten her bewertet und Gehälter demokratisch ausgehandelt werden. Es scheint wieder einmal mehr, dass sich die „Reformitis“ fortzusetzen wird, statt bewährte Strukturen und Abläufe in einem neuen Umfeld punktuell für entscheidende Änderungen und Optimierungen in Gang zu setzen, wo auch die Mitarbeiter echt einbezogen werden. Führung, Verantwortung und Erfolg kann man letztlich nur in Kleinunternehmen auf kleine Teams aufteilen, sonst bleiben diese immer an Einzelpersonen hängen!

Die Chancen mit den ungeahnten Möglichkeiten durch die Automatisierung beziehen sich meistens auf eine Minderheit von Menschen. Bei der grossen Mehrheit wird Arbeit immer mehr zum Privileg, wo auch mit permanent gefragter Flexibilität mit mehr Ausnützung bzw. Freiheiteinschränkungen zu rechnen ist. Mehr Arbeitskrisen werden, infolge der neuen Technologien „mit sinnlosen Tätigkeiten(=„Brown-out“), zunehmen und einen Teufelskreis in Gang setzen: Die Verwurzelung und der Sinn für eine ganzheitliche Arbeit geht immer mehr verloren.
- Für die „unnatürliche“ Arbeit braucht es mehr Erholung, doch die längere Freizeit kann meistens zu wenig sinnvoll organisiert und finanziert werden und es werden Nebenjobs gesucht.
- Die Arbeit muss unter zunehmenden Arbeitssuchenden aufgeteilt werden, denn die Arbeitsangebote nehmen für die grosse Masse ab.
- Die Selbstverantwortung für den Lebensunterhalt liegt immer mehr beim Einzelnen, der mit Freelancertätigkeiten und wechselnden Kunden sich überWasser halten muss und damit können Arbeit und Freizeit zunehmend nicht mehr getrennt werden. Da wird Arbeit zum Zwang!

Fazit
Aus der Expertenzunft nur Pessimisten bzw. Optimisten anzuhören oder mit der Vergangenheitsentwicklung und der Veränderungsängste zu argumentieren ist zu einseitig. Es braucht Praxisnähe ohne Schönrederei und weniger Theoretiker. Hier bleibt die Skepsis gegenüber der digitalen Transformation auf den meisten Ebenen sehr gross. Anpassungen ja, aber  nicht masslos! Die fehlende Arbeit wird in Zukunft viele Bereiche und mehrere Gesellschaftsschichten treffen, denn die digitale Revolution kann die menschliche Arbeitskraft bei Berufen mit „Massenbeschäftigungen und Routinearbeiten“ weitgehend ersetzen und nicht nur verlagern wie in der Vergangenheit. Dadurch wird sich die Einkommensverteilung einseitig entwickeln, die Kaufkraft sinken und dies ruft nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, zu „staatlichen Renten“ oder zum weiteren Ausbau des Sozialsystems, was aber auch das heutige Einkommens-Steuersystem stark in Frage stellen wird. Einen Lichtblick gibt es: Einzelpersonen, Kleinst- und Kleinunternehmen aller Schattierungen in Landwirtschaft, Handwerk/Gewerbe und Dienstleistungen haben gute Zukunftschancen. Trotz höheren Anforderungen ist hier noch ganzheitlichere Arbeit gefragt, denn der Rhythmus bzw. die Arbeitsabfolge können vielfach selber beeinflusst und damit die Automatisierung eingeschränkt werden. Auch werden „Jobs mit Herz“, die mehr Kreativität, Spiritualität, Empathie und zwischenmenschliche Interaktionen (Pflege, Pädagogik, Verhandlungen) bzw. Kommunikation/Information erfordern, immer gesucht bleiben. Zusammengefasst: Selbst- und Sozialkompetenz muss hart erarbeitet werden. Es sind immer mehr „Selbstunternehmer“ mit mehreren Arbeitgebern gefragt, doch ob die grosse Masse der Menschen dazu fähig sein wird, steht auf einem anderen Blatt! /be

Kommentare   

#1 Bruno Bettoli 2018-11-09 21:45
Der grosse Wandel kommt erst noch! Man diskutiert leider nur die faszinierenden Möglichkeiten der Arbeitswelt 4.0 für etwa einen Drittel der Arbeitnehmenden und vergisst, dass das Hauptproblem für die grosse Mehrheit gar nicht gelöst ist.
#2 paul pfister 2018-11-10 01:40
Darum muss das bediungsungslose Grundeinkommen kommen.

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